Neues Instrument einspielen -wie lange ?

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Steirer70
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Neues Instrument einspielen -wie lange ?

Beitragvon Steirer70 » 17.09.10 - 21:04:06

Hallo an alle

Heute hab ich meine neue OH 125 abgeholt.
Ich bin total zufrieden.

Jetzt stand aber im Begleitschreiben,
ich darf (soll) die Klarinette am anfang nur 1/2 Stunde
am Tag spielen, damit sich das Holz an die Feuchtigkeit
und die Wärme die beim Blasen entsteht zu gewöhnen.

Wie lange muß ich das machen ?

Oder kann ich nicht nach 30 min. das gesammte Instrument
auseinandernehmen, durchwischen und dann weiterspielen ?

Danke für eure Hilfe

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Die_Klarinettistin
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Beitragvon Die_Klarinettistin » 17.09.10 - 21:52:28

Spiele die ersten zwei Wochen nur eine Stunde am Tag. Dann langsam erhöhen.
Vermeide starke Temperaturschwankungen, zu starke Heizungs- oder gar Kaminluft.
Wische auch bei der halben Stunde auch mal durch.
Puste am Ende alle Löcher gut durch, vor allem a und gis Klappe und die Trillerklappen am Oberstück.

Wenn Du die Suchfunktion oben benutzt, findest Du das Thema im Forum bereits!

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Reedirect
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Beitragvon Reedirect » 19.09.10 - 9:15:34

Hi Steirer70,

letzlich ist die Zeitbegrenzung eine Vorsichtsmaßnahme, die vor Rißbildung bewahren soll fußend auf Fallberichten und der Erfahrung, dass Holz generell bei Temperatur- und damit auch Luftfeuchtigkeitsschwankungen reißen kann. Gut abgelagertes Grenadill Holz reißt nicht so schnell. Dennoch ist das Problem bekannt und nicht ganz selten.
Eine fundierte wissenschaftliche Studie als Grundlage für diese Empfehlung, die an neuen Klarinetten durchgeführt wurde, gibt es allerdings meines Wissens nicht.
Die Produzenten wollen sich wohl gegenüber dem "Worst Case" Szenario der Klarinettenmißhandlung absichern: Nasse Klarinette im Winter im kalten Auto liegen lassen, dann rausholen, im überhizten Proberaum stundenlang beüben, dannach ungewischt wieder ins Auto etc. p.p.

Nicht gut ist natürlich auch stehende Feuchtigkeit für die Polster. Meistens ist ja Leder verbaut, dass zwar gut behandelt, aber letzlich nicht dauerhaft wasserresistent ist. Polster aus Silikon sind hingegen völlig unempfindlich, werden aber bei den Großserienherstellern nicht standardmäßig verbaut.

Ich glaube ja viel mehr an die Gefahr durch starke Temperaturschwankungen als an Feuchtigkeit als Folge normalen Spielens.

An Deiner Idee ist sicher was dran. Wahrscheinlich könntest Du so von Anfang an mehrere Stunden spielen und nichts würde passieren.

Nur, das wird Dir keiner einfach so empfehlen wollen. Stell Dir vor, hier wird gesagt: "Kein Problem" und nächste Woche hast Du einen Riß in der Birne oder gar im Oberstück.

Wie lange Du diese "Vosichtsmaßnahme" einhalten musst, weiß auch keiner wirklich genau. 2-3 Wochen vielleicht.
Klarinettistin's Durchpuste Hinweis halte ich auch für wichtig, da sich in den Zwirlen und Tonlochkaminen gerne Wasser ansammelt. In den 4 Zapfenaufnahmen von Becher, Unterstück und Birne (2x) übrigens auch. Da mit dem mit dem Durchziehwischertuch armierten Finger nochmal extra reinwischen macht auch Sinn.

Gruß
Jo
Selmer Centered Tone; Selmer Nr. 9; Selmer 10G; Selmer HS**; Vandoren 56 Rue Lepic; 2,5-3; BG L2 Blattschraube; Selmer Serie III Alt; Selmer Serie III Tenor; Selmer SA80III Sopran

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Osgood
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Beitragvon Osgood » 19.09.10 - 11:25:44

Also, ich hab´s bei meiner neuen Klarinette auch nicht getan, man möchte das schöne Stück ja nicht schlecht behandeln, aber:

Eigentlich sollte man neue Klarinetten extra extremen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen aussetzen (natürlich nicht übertrieben, also nicht vom Gefrierschrank in den Backofen).

Begründung: Holz wird dann reißen, wenn zu große Spannungen in seiner Struktur vorhanden sind. Ich denke nicht, dass diese Spannungen sich mit der Zeit vermindern werden, da sie ja durch den Wuchs des Baumes an dieser Stelle bedingt sind. Wenn die neue Klarinette also eine latente Tendenz zur Rissbildung haben sollte, dann wäre es mir lieber, sie würde dies gleich zu Anfang in der Garantiezeit tun.

Ein vielleicht etwas anarchistischer Ansatz und wie gesagt, ich hab´s auch nicht übers Herz gebracht.

Gruß Helmut
Dem Guten das Gute

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Beitragvon Steirer70 » 19.09.10 - 12:33:33

Hallo
Danke für eure Antworten.

Ich hab gestern schon mal ca. 1 Stunde gespielt.
Zwischendurch hab ich sie 2x ausgewischt und ausgeblasen.

Bei Temperatueschwankungen bin ich narürlich vorsichtig.

LG

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Die_Klarinettistin
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Beitragvon Die_Klarinettistin » 19.09.10 - 12:36:09

Ich glaube schon, dass man das Holz an die Bedingungen langsam gewöhnen muss und sollte...
Natürlich kann auch ein mehrere Jahre altes Instrument reißen.

Naja, jeder muss selber wissen, was er tut. Es gibt auch unterschiedliche Hinweise der unterschiedlichen Hersteller.

Da mit dem mit dem Durchziehwischertuch armierten Finger nochmal extra reinwischen macht auch Sinn.


Geht super mit Wattestäbchen (Q-Tipps).

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clartune
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Beitragvon clartune » 19.09.10 - 13:58:41

also heißt das,

alles ist möglich dem der da glaubet! (Markus, 9,23),

aufschlussreicher fred.

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Pooh
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Beitragvon Pooh » 19.09.10 - 14:18:51

alles ist möglich dem der da glaubet! (Markus, 9,23),


Aber vielleicht ist nicht alles gleich häufig oder mit gleicher Wahrscheinlichkeit möglich. Ich glaube daran, dass man mit einer vorsichtig eingespielten und generell gut behandelten Klarinette tendenziell mehr Freude und weniger Stress hat - auch wenn es Gegenbeispiele geben mag.

Geht super mit Wattestäbchen (Q-Tipps).


Oder (für mich noch besser) mit einem Papiertaschentuch, das man gefaltet lässt und einfach aufrollt. Passt prima in die Zapfenaufnahme und kann durchaus mehrmals verwendet werden. Bei Verwendung des Durchziehwischers hätte ich Bedenken, dass man sich den mit Korkfett-Rückständen versaut.
“Practice and hope, but never hope more than you practice” (Kalmen Opperman)


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